Die Rasse und ihre Grundproblematik:

 

Über Jahrzehnte herangezogen, - der geschichtliche Rückblick soll hier vernachlässigt bleiben-, entwickelte sich der Haflinger zu einem im Allgemeinen sehr robusten, nervenstarken und leistungswilligen Reit- und Fahrpferd.

Sein gutmütiges Wesen, sein sozialer Kontakt (auch in Bezug auf Menschen) und sein natürlicher Charakter ohne dabei überzüchtet zu sein brachten ihm viele Liebhaber. Mit seiner kompakten Größe ist er für eine konsequente Hand recht unproblematisch in der Handhabung.

 

Oft sehen erwachsene Reiter jedoch aufgrund ihrer eigenen Körpergröße ein ästhetisches Problem, so wird der Haflinger gewöhnlich von Jugendlichen als Übergangspferd genutzt oder einfach „nur“ als Freizeitpferd.

Meistens kommt der Haflinger als Familienpferd zur Freizeitgestaltung zum Einsatz.

Hierbei eilt ihm dann häufig der Ruf als „dickköpfiges Kinderpony“ voraus.

 

Um vom Klischee des kleinwüchsigen Arbeitspferdes wegzukommen, dabei die Klientel der klassischen Reiter im Auge, bemühten sich die Zuchtverbände, Kriterien eines modernen Reitpferdes mit einzukreuzen.

So ist es bis heute üblich, dass bei der Bewertung der Haflinger, egal ob in der Sichtung oder bei der Stut- oder Hengstleistungsprüfung nur klassische Kriterien betrachtet werden.

 

Wenn wir nun über Sinn und Unsinn dieser Art von Bewertung nachdenken, wird schnell klar, dass die ursprüngliche Zielsetzung,

nämlich, die Rasse aufzuwerten, bis heute nicht eingetreten ist.

 

Die ganze Karriere eines Haflingers reduziert sich auf folgendes:

Fohlenschau Stutleistungsprüfung –( Körung -  Hengstleistungsprüfung ) – 30 Tage Test für Hengste

 

Hierbei stellt die Stut- u. Hengstleistungsprüfung nicht mehr als ein spontanes Ausprobieren eines noch rohen Pferdes dar.

Die HLP kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Mehrzahl der hier geprüften Hengste von der Bildfläche verschwindet und deren Präsenz sich auf gelegentliches Ziehen der Kutsche um die Dorfkirche beschränkt.

Die wenigsten können auch Jahre nach ihrer HLP noch aktuelle Erfolge nachweisen.

 

Wie kann es sein, dass die Vorstellung eines Junghengstes an der Hand und ein 30 – Tage Test

(mehr als ein bisschen Grundgangarten ist da nicht drin) unterm Sattel ein Leben lang über seine Kariere bestimmt,

ohne weitere Erfolge bringen zu müssen, während ein anderer konsequent Leistung nachweisen kann, aber aufgrund von Details, die dem Zuchtziel nicht entsprechen, keine Anerkennung findet?

 

Eine Aufwertung der Rasse kann nur über die sportliche Leistung und die damit verbundene Präsenz in der Öffentlichkeit geschehen. Es ist durchaus verständlich, dass Züchter weder Zeit noch Können aufbringen, um ihren Pferden eine fundierte und umfangreiche Ausbildung zu ermöglichen. Förderprogramme für talentierte Reiter und Fahrer wären eine Möglichkeit, diese Rasse auch in leistungssportlicher Hinsicht in Betracht zu ziehen.

Trotzdem darf erwähnt werden, dass es durchaus sehr gute Haflinger gibt, die in der Lage sind, in höheren Kategorien des Spring-, Dressur- oder Vielseitigkeitssports erfolgreich mitzulaufen.

 

Betrachtet man nun die Zucht unter ökonomischen Gesichtspunkten, mag die Bedeckung jeder Stute kurzfristig gedacht gerechtfertigt sein, längerfristig jedoch verfällt aufgrund des Überangebots der Preis.

Hier zeigt sich eine gewisse Parallelität gegenüber der Rinderzucht.

Das weibliche Rind wird Jahr für Jahr gedeckt, um die Milchleistung zu erhalten, Bullenkälber, die daraus hervorgehen, wandern in die Mast, Kuhkälber erneut in die Milchproduktion.

Unter diesen Aspekten betrachtet ist die Vorgehensweise der Haflingerzüchter auch gerechtfertigt, dient jedoch keinesfalls der Aufwertung der Rasse, vielmehr schadet sie dieser immens.

 

Wie könnte man diesem Sachverhalt aber nun entgegenwirken? Eine Möglichkeit wäre,

neue Märkte für diese Rasse zu erschließen!

Einer dieser neuen Märkte, der leider von sämtlichen Haflingerzuchtverbänden vernachlässigt wird, ist der des Westernreitens.

Der Haflinger ist ein unkompliziertes und nervenstarkes Gebrauchspferd, gesund und robust, athletisch, kompakt mit einer korrekten und fürs Westernreiten idealen Anatomie.

Er ist in der Lage, auch schwierigste Manöver problemlos zu lernen.

 

Schaut man sich zum Beispiel bei der EWU Deutschland, dem größten rasseoffenen Westernreiterverband (übrigens von der FN anerkannt) um, findet man an die 500 registrierte Haflinger, die dort, überwiegend sehr erfolgreich, in den verschiedenen Disziplinen des Westernreitsports vorgestellt werden.

Darüber hinaus gibt es noch sehr viele Haflinger in anderen Westernreitverbänden und zahllose, im Sinne des Westernsports gerittene, aber nicht registrierte Freizeitpferde.

Diese beweisen einmal mehr die Eignung und die Beliebtheit dieser Rasse für diesen Sport.

Ein Umdenken seitens der Zuchtverbände ist gefragt.

Sie sollten bereit sein, Hengste über Leistungsnachweise zu kören und spezielle Leistungsprüfungen für westerngerittene Haflinger anzubieten.

Es kann auf Dauer nicht angehen, dass ein Haflingerhengst, der einmal eine Leistungsprüfung ablegt und dann nie wieder auf der sportlichen Bildfläche erscheint, bedenkenlos seine Eintragung im Hengstbuch I erhält und beibehält, während ein anderer Hengst, der über Jahre hinweg konsequent Erfolge im Sport nachweisen kann, aufgrund von Nichterfüllung der oben beschriebenen Leistungsmerkmale aus der Bewertung heraus fällt, lediglich ins Hengstbuch II aufgenommen wird.

 

Mehr Aufgeschlossenheit für die Westernreiterei seitens der Züchter und Haflingerverbände, sowie ein Umdenken und/oder Erweitern ihrer Zuchtpolitik könnte der Rasse „Haflinger“ wieder zu mehr Ansehen verhelfen.

 

Mit dem nötigen Verständnis für die Problematik lässt sich hoffen, dass die Rasse nicht nur blondmähnige, goldfarbene Pferde bleiben, die nur am Führstrick wie die Orgelpfeifen präsentiert werden.

 

 

Hufbeschlag

Michael Demmelmaier

staatlich gepr. Hufbeschlagschmied

Metallbaumeister

0170 5859168

NEWS

Stefan Ostiadal gewinnt Trainer Contest mit Haflinger "Fischers Fritz"

Teil I  http://www.youtube.com/watch?v=6Y6wZSYKzJU

Teil II http://www.youtube.com/watch?v=eUVTCNC8Txo

Teil III http://www.youtube.com/watch?v=D5KGz_-cFl4